Palmöl bzw. -fett ist unterdessen in fast allen Lebensbereichen anzutreffen. In Lebensmittel sowie Tierfutter, in Kosmetika und Waschmitteln, aber auch in Biokraftstoff. Wir alle kennen es inzwischen jedoch auch als grossen Umweltsünder. Aber wie kommt es dazu?

Das Palmöl selbst kann eigentlich gar nichts dafür. Es bietet einfach zu viele Vorteile. Die Ölpalme ist nämlich äusserst effizient, weil die ganze Frucht verwendet werden kann und die Pflanzen hohe Erträge liefern. Ausserdem kann die Palme bis zu 120 Jahre alt werden.

Palmöl ist extrem beliebt. Es hat einzigartige Eigenschaften: weil es bei Raumtemperatur genau die richtige Konsistenz hat, kann es Schokoaufstriche so schön cremig machen. Es ist ausserdem lange haltbar, hat keinen Eigengeschmack und ist günstig – genau aus diesen Gründen ist es so gefragt.

Das Problem ist genau diese Beliebtheit in der Industrie. Denn um die enorme Nachfrage zu decken, werden Regenwälder in Malaysia und Indonesien abgeholzt, um Platz für die Plantagen zu schaffen. Dabei wird das Ökosystem zerstört, auf Tiere (insbesondere Orang-Utans) und Pflanzen sowie Menschen der Region wird keine Rücksicht genommen und die Aussichten für das Klima werden durch die Brandrodungen des Regenwaldes, wobei massiv CO2 freigesetzt wird, noch schlechter. Artenvielfalt wird durch Monokulturen ersetzt und Pestizide eingesetzt, damit der Ertrag hoch bleibt.

Nicht die Ölpalme selber ist also der Übeltäter, sondern der vielseitig mögliche Einsatz in der Industrie und die daraus folgenden übermässigen Dimensionen der Produktion. Auch wir Konsumenten tragen Schuld. Wir sind es ja schliesslich, die den geschmeidigsten Brotaufstrich kaufen wollen. Da die Industrie immer von den Konsumenten abhängig ist, heisst das auch, dass wir die Macht haben und unsere Nachfrage das Angebot bestimmt. Wir können uns einfach weigern, Palmöl zu kaufen. Oder? Naja, ein Leben ohne Palmöl? Das ist einfacher gesagt als getan, möglich ist es aber schon. Denn, wie bereits erwähnt, ist es ziemlich überall enthalten. Doch wer bei den Zutaten nach Palmöl sucht, sucht manchmal vergebens. Denn oft wird es uns als Pflanzenöl, Palmat oder ähnliches untergemogelt.

Möchte oder kann man nicht vollständig auf Palmöl verzichten, gibt es einen kleinen Lichtblick: Unterdessen gibt es auch zertifiziertes Palmöl, welches nachhaltiger produziert wird. Um herauszufinden, welche Inhaltsstoffe ein Produkt enthält, kann man die App CodeCheck verwenden. Sie zeigt schädliche Stoffe, wie eben z.B. Palmöl, auf. Zusätzlich gibt sie auch an, ob dieses Palmöl Bio-zertifiziert ist oder nicht.

Alternativen zum Palmöl gibt es kaum. Andere Pflanzenöle brauchen viel mehr Anbaufläche für die gleiche Produktionsmenge. Und der Platz geht uns ja auch immer mehr aus. Trotzdem gibt es Stimmen, die meinen, dass man Palmöl durch z.B. Rapsöl ersetzen könnte. Natürlich müsste man mehr Platz schaffen, aber man könnte schon viel an benötigter Menge reduzieren, wenn man kein Pflanzenöl mehr im Biosprit verbrennen würde. In Deutschland landet nämlich mehr Palmöl im Kraftstoff als in Lebensmitteln.

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Hier noch 5 Tipps, wie man als Konsument zur nachhaltigen Nutzung von Palmöl beitragen kann:

  1. Prüfen Sie, welche Inhaltsstoffe enthalten sind, bevor Sie ein Produkt kaufen. Achtung: Oft wird statt auf „Palmöl“ nur auf „pflanzliche Fette und Öle“ hingewiesen. Wenn auf der Waschmittelpackung beispielsweise „Sodium Palm Kernelate“ steht, ist das ebenfalls ein Hinweis auf Palmöl.
  2. Falls verfügbar, wählen Sie Produkte mit nachhaltig zertifiziertem Palmöl. Beispiele sind der bereits genannte Roundtable on Sustainable Palm Oil (RSPO), ISCC Plus (International Sustainability & Carbon Certification), Rainforest Alliance und der Roundtable on Sustainable Biomaterials.
  3. Besonders viel Palmöl findet sich in Fertiggerichten, Süßigkeiten und fettigen Nahrungsmitteln. Es ist auch ein beliebtes Futtermittel in der Tierindustrie. Wenn Sie Palmöl vermeiden wollen, essen Sie mehr frische oder selbst gemachte Produkte und weniger Fleisch.
  4. In vielen Ländern wird Palmöl als Biokraftstoff genutzt. Lassen Sie das Auto öfter stehen und nutzen Sie öffentliche Verkehrsmittel.
  5. Fordern Sie von der Politik und Industrie, sich für mehr Nachhaltigkeit bei der Produktion und Nutzung von Palmöl einzusetzen. Die Umweltorganisation WWF, die in mehr als 80 Ländern weltweit vertreten ist, setzt sich zum Beispiel stark für eine nachhaltige Palmöl-Produktion ein.

https://www.alumniportal-deutschland.org/global-goals/sdg-12-konsum/palmoel-regenwald-indonesien/

http://multimedia.dw.com/gibt-es-ein-leben-ohne-den-regenwald-killer-palmol#1302

https://www.codecheck.info

Text von: Stefanie Henauer / Bildquelle Titelbild: Wikipedia