Fair, natürlich, öko – was vor einigen Jahren belächelt und als etwas verrückt angesehen wurde, ist heute ein mächtiges Verkaufsargument geworden. Es steht grossgeschrieben auf der Packung, doppelt umkreist, mit grünen Blättchen drumherum.
Green sells – doch wo das Geld liegt, ist immer auch die Täuschung. So gibt es nun eine neue Werbemasche, das sogenannte «Greenwashing»: Produkte werden als nachhaltig vermarktet, obwohl sie es nicht sind, und es wird damit kräftig Profit gemacht.

Wie Greenwashing funktioniert

Wir befinden uns in einer Krise. Mit Plastik gefüllte Ozeane, von Monokulturen ausgelaugte Böden, Regenwälder, die zu Brachland geworden sind. Vielen ist das inzwischen klar: Sie kaufen bewusst ein, und richten sich dabei nicht selten nach Gütesiegeln. Was aber, wenn hinter dem Label, in das ich mein Vertrauen gelegt habe, rein gar nichts Nachhaltiges steht?
Grössere Hersteller können zum Beispiel ein «Label» erkaufen, ohne auch nur einen Baum zu bewahren. Oder sie entwerfen einfach ein eigenes, umgehen damit strenge Richtlinien und unabhängige Überprüfung der Nachhaltigkeit ihrer Produktionsstandards.

Ein Beispiel aus der Fashionwelt: Die conscious-Linie von H&M:
Ein weisser Schriftzug auf grünem Karton mit Papierschnürchen. Ist zwar hübsch anzusehen, den Bauern auf dem Baumwollfeld, den Näherinnen und den Arbeitern in der Fabrik bringt das aber herzlich wenig. Denn, da sich der Konzern das Siegel selbst verleiht, gibt es keinerlei Anhaltspunkte zu dessen Bedeutung. Niemand prüft, ob es sich hier wirklich um nachhaltige Baumwolle handelt. Sehr wahrscheinlich ist dies ein Versuch, aus dem «Öko-Hype» Kapital zu schlagen, nicht zuletzt, weil «Bio»-Produkte auch teurer verkauft werden können.

Wer sich Werbungen im Fernsehen genauer ansieht, dem fällt auf, wie sehr diese auf der Ebene des Unterbewusstseins arbeiten. Saftig grüne Wiesen, goldene Kornfelder, prächtige Bäume – diese Bilder sollen uns den Bezug zwischen Natur und der umworbenen Ware ziehen lassen, selbst wenn es diesen gar nicht gibt. Oftmals finden wir auch Formulierungen wie «Wir möchten, wir werden, wir versprechen» – was mit anderen Worten heisst: «Wir tun es jetzt nicht.» Und zum Schluss kann ein Produkt noch grün verpackt werden, wortwörtlich, weil wir diese Farbe mit «Bio» und Nachhaltigkeit verbinden.

99% natürliche Inhaltsstoffe

Gerade bei der Kosmetik und beim Essen wird natürlich heute grossgeschrieben, nachdem herauskam, dass synthetische Inhaltsstoffe oft verheerende Auswirkungen auf den menschlichen Körper haben. Das Problem ist jedoch, dass unter dem Dachbegriff «natürliche Zutaten» eine grosse Anzahl an Stoffen erlaubt sind, die Sie und ich wohl eher nicht als solche bezeichnen würden. Aromen, die auf Schimmelpilzen gezüchtet werden verstecken sich zum Beispiel hinter dem gesund klingenden Namen «natürliches Aroma», weil Schimmelpilze in der Natur vorkommen. Auch in der Kosmetik heisst natürlich nicht unbedingt, dass in der Creme oder dem Mascara nur naturbelassene Öle und Essenzen drin sind. Der Begriff bezieht sich eher darauf, dass die Inhaltsstoffe nicht vollständig dem Labor entstammen.

Was kann ich tun?

Bei all diesen Versprechungen und gezielten Werbetaktiken ist es schwer, sich nicht verwirren zu lassen. Am besten ist es, sich über Hersteller und Gütesiegel zu informieren. Grundsätzlich kann auf bekannte Schweizer Label, wie der Knospe oder Naturaplan, vertraut werden. Bei Eigenlabeln oder sehr grossen Labeln wie FSC ist Vorsicht geboten, da mit Geld auch Siegel erkauft werden können. Es gibt auch Apps, die Inhaltsstoffe überprüfen und beim bewussten Einkauf eine Hilfe sind, zum Beispiel: CodeCheck. Diese App scannt Produkte und sortiert deren Inhalte nach «bedenklich» und «unbedenklich», wobei über jeden Stoff ein kurzer Text zur Anwendung und Problematik verfügbar ist. Zudem gibt sie an, ob die Inhaltsstoffe vegan oder glutenfrei sind und schlägt, hat man eine sehr bedenkliche Produktwahl getroffen, bessere Produkte vor, die weniger schädlich für Mensch und Umwelt sind.

CodeCheck App:
https://play.google.com/store/apps/details?id=ch.ethz.im.codecheck&hl=de

Gütesiegel im Überblick:
http://naturschutz.ch/tipps/bio-ist-nicht-gleich-bio

Mehr Infos:
https://www.codecheck.info/news/Falsche-Versprechen-gruen-verpackt-255227
https://reset.org/knowledge/greenwashing-%E2%80%93-die-dunkle-seite-der-csr
https://www.huffingtonpost.com/shannon-whitehead/hms-conscious-collection-_b_7107964.html
https://www.organiccotton.org/oc/Cotton-general/Impact-of-cotton/Risk-of-cotton-processing.php

Text von: Helen Schuster / Bildquelle: Max Pixel – FreeGreatPicture.com