Wie immer im November, wenn die Klima-Gipfeltreffen der UNO stattfinden, berichten auch viele Zeitungen und News-Portale darüber. Was mich bei diesen Artikeln jeweils am meisten interessiert, ist nicht der Inhalt (an diesen Gipfeln passiert sowieso nicht viel); viel eher schaue ich in die Kommentarspalten unterhalb der Artikel, wo sich jede und jeder zum Thema äussern kann. Was da nicht alles für unglaubliche Aussagen und haarsträubende Bemerkungen gepostet werden! Ich möchte euch einige dieser Kommentare aus drei seriösen Newsportalen (TagesAnzeiger, NZZ und SRF) nicht vorenthalten und zeigen, dass es offensichtlich weiterhin viele Leute gibt, die den Klimawandel und die Rolle des Menschen dabei immer noch nicht als reales Phänomen ansehen.

Zum Einstieg ein Klassiker, den man am ehesten Donald Trump zuschreiben würde:

„…das sind alles idiotische Theorien, die auch von Klima-Fanatikern verbreitet werden. Die CO2 Klima Hypothese ist reiner Betrug.“

Der folgende Kommentar versucht diese These wenigstens etwas wissenschaftlich zu unterstreichen, scheitert aber kläglich:

„Der Einfluss von Co2 auf das Klima liegt im einstelligen Prozentbereich. 95% des Co2-Ausstosses ist naturgemacht.“

Nun, es mag sein, dass CO2 nur einen kleinen Effekt auf das Klima hat. Aber schon kleine Effekte können grosse Folgen und Kettenreaktionen hervorrufen. Und ja, es stimmt auch, dass der Grossteil des CO2-Ausstosses nicht menschgemacht ist. Aber es ist eben genau dieser kleine Teil menschgemachten CO2-Ausstosses, der viel bewirkt und den die Menschen verhindern können.

Oft wird der Klimawandel mit einer Religion verglichen:

„Mit dieser CO2-Religion […], lässt sich am besten viel Geld verdienen. […] Auch Religionen malen den Teufel gerne an die Wand.“

Kleiner Differenzierung: die Existenz des Teufels ist wissenschaftlich nicht bewiesen; die des Klimawandels schon.

„Niemand hat einen Hauchen Zweifel, dass es sich hier um eine Religion handelt, um eine moderne CO2 Religion. Sonst erfühlt [sic] sie alle Voraussetzungen einer universalen Religion, besonders wenn es sich um die finanziellen Opfer und Erlasse handelt. Den Teufel hat sie auch im Programm.“

Bitte aufpassen mit Extrembegriffen wie „Niemand“! Es gibt sehr viele Menschen, wenn nicht die grosse Mehrheit der Menschheit, die den Klimawandel nicht für eine Religion halten.

„Dieser Klimagugus ist mittlerweile zu einer richtigen Religion mutiert. Und wie im tiefsten Mittelalter droht den Ungläubigen Repression. Selbst wenn ab morgen die ganze Schweiz (und der ganze Rest der Welt ebenso) wieder in Höhlen wohnen würde lässt sich das Klima nicht steuern.“

Ist es nicht auch eine Repression, wenn wir das Klima weiterhin durch unseren Lebensstil erwärmen und unseren späteren Generationen eine Last auftragen? Und ja, wenn wir den CO2-Ausstoss auf morgen auf Null senken würden, würde das den Klimawandel wahrscheinlich nicht vollkommen stoppen. Die Grundsteine für die Klimaerwärmung wurden bereits in den letzten Jahrzehnten gelegt. Aber man kann ihn sicher verlangsamen, wenn wir unsere heutigen Emissionen möglichst schnell senken.

Nicht selten kommt das Argument, dass Pflanzen vom CO2 in der Luft profitieren (Was ist die Logik dahinter? Dass man deshalb mehr davon emittieren soll?):

„Die ganze Welt jagt einem Gespenst hinterher, um die kommende Eiszeit schneller herbeizuführen und um den Pflanzen die Atemluft zu reduzieren.“

„CO2 schadet der Flora nicht – im Gegenteil. Für eine optimale Versorgung der Flora müsste der CO2-Gehalt noch um einiges steigen. Der Fauna ist es egal.

In der Tat, Pflanzen können mit mehr CO2 in der Luft mehr Biomasse über die Photosynthese produzieren. Ab einer bestimmten Grenze ist aber auch für sie Schluss und sie tragen Schaden davon. Und ein höherer CO2-Gehalt der Atmosphäre führt bewiesenermassen zu höheren Temperaturen. Diese schaden auch Pflanzen, bzw. der Zusammensetzung von Ökosystemen. Ausserdem: Fragen Sie mal einen Eisbären, ob ihm das Schmelzen der Eisberge und -schollen egal ist?

Und nicht zuletzt wird versucht, den Klimawandel aus erdgeschichtlicher Perspektive zu einem kleinlichen Problem zu degradieren:

„Als ob es Mutter Erde kümmerte, was für ein Klima auf ihr herrscht. Sie hat schon viel extremere Klimate überlebt. Es ist der Mensch, der sich an den Status Quo zu klammern sucht um zu überleben.“

Wer ist denn Mutter Erde? Die Gesamtheit aller auf ihr lebender Organismen? Dann kümmert es sie aber, ob die Temperaturen steigen. Und ausserdem: Es ist auch der Mensch, der für den heutigen Klimawandel verantwortlich ist. Deshalb ist es auch nur logisch, dass der Mensch etwas dagegen tun muss, auch wenn das bedeutet, sich an den Status Quo zu klammern.

Und zur Rolle der Schweiz beim Klimaschutz wird folgendes gesagt:

Man muss nicht in jedem Fach Musterschüler sein!

Die Schweiz ist Musterschüler in den Bereichen Wohlstand und Lebensqualität. Wenn wir dies erhalten wollen, ist auch eine Vorreiterrolle im Klimaschutz notwendig. Denn der Klimawandel ist das Thema, welches uns und unsere zukünftigen Generationen noch in Jahrzehnten beschäftigen wird!

Text und Bild von: Jan Zumoberhaus