Nachhaltigkeit durch die Augen von Judith Schmutz:
Judith Schmutz ist Jura Studentin an der Uni Fribourg. 2015 ist sie den jungen Grünen Kanton Luzern beigetreten und ist seit 2 Jahren nationale Co- Präsidentin der Partei. Ich habe sie zu einem Interview eingeladen, um ein bisschen mehr über sie zu erfahren.

Wie bist du zu den jungen Grünen gekommen?
Ich komme aus einer generell sehr politischen Familie, welche das ganze Parteispektrum abdeckt.
Die Entscheidung wirklich einer Partei beizutreten, ist aber erst nach meinem Auslandsjahr in Süd Dakota, USA klargeworden. Der Grund dafür war, dass die Familie bei der ich war, eine sehr andere Lebensweise hatte als die meine. Sie hatten keine Möglichkeit, ihren Plastik oder Metallabfall zu recyceln, da der Nächste Recyclinghof mehr als eine Stunde entfernt war. Alles ging in die selbe Tonne. Da merkte ich wie es in der Schweiz eigentlich schon vieles für die Umwelt gibt. Aber ich wollte es verbessern und mich zu diesem Zweck engagieren.
Ich habe bei verschiedenen Jungparteien reingesehen, habe aber schnell gemerkt, dass die jungen Grünen meine Ziele am besten verfolgen. Also kam ich zu den Jungen Grünen, wo ich mich einfach mal in eines der Treffen reingesetzt habe und voila!

Was ist das schwierigste an deiner Position?
Als Co-Präsidentin bin ich unter anderem auch für die Öffentlichkeitsarbeit, vor allem für die Presse zuständig und mit denen umzugehen kann manchmal schon eher kompliziert sein. Oft drehen sie die Wörter der Politikerinnen und Politiker im Mund um oder schreiben ein Artikel, wo sie ein Wort verwechseln und an den ganzen Sinn der Antwort ändern. Zum Beispiel, gab es vor ein paar Wochen einen Artikel, in dem von einem Komitteebeitrag die Rede war, für welches wir uns gar nie eingesetzt hatten. Wir hatten über mehrere Wochen hinweg jeden Tag Anrufe, wo wir uns rechtfertigen und den Fehler der Zeitung unterstreichen mussten.

Wie lebst du zuhause?
Zuhause versuche ich sehr darauf zu achten, bewusst regional und saisonal zu kaufen. Aber natürlich gibt es Beispiele, wo meine Bequemlichkeit überwiegt. Ich esse generell kein Fleisch, aber bevor jemand Fleisch wegschmeissen möchte, esse ich es dann doch lieber selbst. Manchmal fühlt man sich wie ein menschlicher Abfalleimer.
Bei Milchprodukten ist es im Allgemeinen ein Dilemma. Man hat zwar durch die Kühe einen starken CO2 Ausstoss aber Sojaprodukte werden um die halbe Welt geflogen und deren Produktion ist auch nicht ohne. Ich denke, dass wenn die Milchprodukte von lokalen Kühen kommen, dann ist es besser, als wenn man die angeblichen „besseren“ Produkte kauft. Aber es ist schwierig abzuwägen.

Was findest du könnte man besser machen?
Es gibt schon viele gute Sachen in der Schweiz, die der Nachhaltigkeit dienen. Zum Beispiel, dass die grossen Kaufhäuser keine gratis Plastiktüten mehr geben ist schon ein guter Anfangsschritt. Auch wenn nur ein kleiner. Auch recyclinghöfe gibt es viele, sodass es für die ganze Bevölkerung in der Schweiz möglich sein sollte, den Abfall korrekt zu entsorgen.
Trotzdem ist die Anzahl des verwendeten Plastiks in der Schweiz noch enorm hoch, vor allem was eingepackte Früchte und Gemüse angeht.
Auch die ganze Mobilität ist eine Herausforderung in der Schweiz. Wir alle wollen mobil sein, Strasse und Schiene sind aber regelmässig komplett verstopft. Wir Menschen wollen die ganze Welt entdecken aber die Meisten sind sich nicht bewusst, was die Konsequenzen dieses Luxuslebens hat. Es braucht die Bemühung von jeder und jedem um hier Änderungen vornehmen zu können.

Wie findest du kann man die Leute am besten auf das Thema Nachhaltigkeit sensibilisieren?
Ich denke, dass man den Leuten alle Alternativen präsentieren muss. Es gibt viele gute Ideen und Projekte für die Umwelt, von denen man noch nichts gehört hat. Man braucht eine stärkere Mediatisierung dieser Probleme und Angebote der zusammenhängenden Lösungen. Ebenfalls ist es super wenn man das Thema Nachhaltigkeit in die Ausbildung der jungen Leute integriert, weil durch das Bewusstsein mehr gemacht werden kann.
Am liebsten hätte ich eigentlich staatliche Subventionen um die Umwelt zu schützen, aber dieses anhand der Gesetze zu schaffen, ist nur im Massen möglich. Vor allem wäre es sowieso angenehmer, wenn diese Ziele ohne Gesetze möglich wären, und alle Menschen dies aus eigenem Interesse verfolgen.

Was hälst du von der Nachhaltigkeit an der Uni?
Es gibt an der Uni hier in Fribourg schon viele tolle Projekte, die die Nachhaltigkeit fördern. Am Campus von Pérolles gibt es auch einen Gemüsegarten, welcher allen zugänglich ist und so ein bisschen Farbe ins Unileben bringt.
Was mich stört, ist, dass immer mehr Leute mit Einwegbechern durch das Unigebäude spazieren. Diese könnte man gut durch Tassen ersetzen und dafür einen Sammelort pro Stockwerk oder so einrichten.
Bei den Mensen könnte man vermutlich auch noch mehr auf regionale und saisonale Produkte achten, dies ist aber auch immer eine Kostenfrage.

Interview von: Amanda Barbet / Bild bereitgestellt von Judith Schmutz