Der US-Unternehmer und mehrfacher Milliardär mit Wurzeln in Südafrika und Kanada polarisiert. Ist er genial oder wahnsinnig? Meine Antwort: Warum schliesst das eine das andere aus?

Kurzer Lebenslauf:

1995 Mitgründung Zip2 (Inhalte für Medienunternehmen), welches er 1999 für 307 Millionen US-Dollar verkaufte -> Musk’s Kapital: 22 Millionen US-Dollar

1999 Gründung X.com, Entwicklung eines Onlinebezahlsystems und Fusionierung mit Confinity -> PayPal

2002 Verkauf von PayPal an eBay, Musk war grösster Anteilseigner

2002 Gründung der Raumfahrtfirma SpaceX

2003 Investition in Tesla und später als CEO prägende Figur des Fahrzeugherstellers von Elektroautos

2006 Mitgründung SolarCity, welches auf Solarstromanlagen spezialisiert ist

2013 Start Projekt Hyperloop, an welchem Ingenieure von Tesla und SpaceX an einem Konzept für Personen- und Güterverkehr für Fernstrecken arbeiten

2015 Gründung OpenAI, welches künstliche Intelligenz erforscht 

2016 Gründung Neuralink, welches Möglichkeiten zur Vernetzung von Mensch und Maschine erforscht

2016 Gründung The Boring Company, welches unterirdische Verkehrstunnel in Städten bauen soll und auch Hyperloop-Verbindungen zwischen Städten ins Auge fasst

Quelle: Wikipedia

 

Elon Musk ist ein Spinner. Aber die gute Art von Spinner, ein Visionär. Und ein Macher. Einer, der die Welt voranbringt.

„Elon is not complaining how bad the world is. Elon is changing the world.“ (Unbekannt)

Elon Musk überrascht immer wieder mit ambitionierten (Geschäfts-)Ideen und gewagten Aussagen. Er denkt weit in die Zukunft, doch weiss auch, dass er in der Gegenwart beginnen muss, für diese Ziele zu arbeiten. Sein Lebenslauf ist eindrücklich, gerade auch deswegen, weil darin so viele Misserfolge vorkommen. SpaceX und Tesla standen beide schon kurz vor dem Aus (damit auch Elon selbst, da er sein ganzes Vermögen in seine Firmen investiert hat), nun sind diese zwei Unternehmen wie auch Elon selbst kaum mehr aus dem Silicon Valley wegzudenken.
Elon revolutioniert nicht nur die Automobilindustrie, sondern auch den Transport im Allgemeinen, die Energieindustrie und die Raumfahrt. Künstliche Intelligenz (engl. artificial intelligence, kurz AI) und ihre Gefahren beschäftigen ihn sehr und er hat ungeheure Angst davor, dass wir unbeabsichtigt die Menschheit in den Abgrund stürzen. Gerade WEIL er weiss, dass die AI-Entwicklung nicht aufzuhalten ist, arbeitet er an sicheren AIs. Ausserdem ist er der Überzeugung, dass Menschen in Zukunft mit AI mithalten können müssen und hat deshalb die Firma Neuralink gegründet, welche als ultimatives Ziel die Entwicklung von Computer-Hirn-Kommunikationssystemen anstrebt. Er behält ausserdem seine Ideen und sein Wissen nicht für sich, sondern setzt sich für OpenAccess ein, damit alle zusammen an neuen Lösungen arbeiten können.
Er arbeitet für eine bessere Zukunft, ist dabei überaus ambitioniert, aber auch hart arbeitend und realistisch.
Elon’s Mission ist, die Menschheit eine „multiplanetary species“ werden zu lassen. SpaceX will Menschen auf den Mars bringen und sie dort selbstversorgend ansiedeln. So sind wir nicht mehr nur auf einen einzigen Planeten angewiesen. Wenn dieser unsicher wird im Falle einer globalen Katastrophe wie z.B. einem Asteroideneinschlag, aufgrund des Klimawandels oder aus politischen Gründen, gibt es noch einen Plan B.
Bei Elon’s Projekten scheint sich sowieso vieles um das Überleben der Menschheit zu drehen. Auf mich macht es den Eindruck, als werde er von ungeheuren Ängsten angetrieben. Angst vor Künstlicher Intelligenz, die irgendwann Menschen als unnötig ansehen werden, Angst vor der Unbewohnbarkeit der Erde, Angst vor der Naïvität der Menscheit. Vielleicht kann er nur durch diese Angst so viel Energie aufbringen, um alle seine Firmen voranzutreiben.

Elon absolvierte nicht nur ein Studium in Physik, sondern auch in Wirtschaft und weiss deshalb auch, dass jede seiner Projekte auch einen wirtschaftlichen Nutzen haben muss, damit sie als nützlich angesehen wird und marktfähig und rentabel ist. Z.B. sind die Raumfahrt-Missionen von SpaceX viel günstiger als jene von anderen Unternehmen, indem durch die Landung der intakten Raketen ungeheuer Ressourcen gespart werden können. SpaceX-Raketen sollen in Zukunft praktisch nur wieder aufgetankt werden müssen, wohingegen z.B. NASA ihre Raketen in den Ozean stürzen lässt und dann die nächste Rakete wieder von Grund auf neu baut.
Auch die Elektroautos von Tesla sind revolutionär und so sicher wie kein anderes Auto. Wie bei allen seinen Projekten, geht Elon strategisch vor. Zuerst wurden nur wenige High-End Exemplare produziert, doch je länger je günstiger sollen die Elektromobile werden bis schlussendlich jeder einen Tesla kaufen kann. Und damit die Kunden auch Elektroautos kaufen, müssen natürlich auch genügend „Tankstellen“ zur Verfügung gestellt werden.

Ich bin überzeugt, dass Elon Musk in einigen Jahrzehnten als prägende Persönlichkeit unserer Zeit gesehen wird. Mit seinen Projekten ist er auch unumstritten eine einflussreiche Figur in der Welt der Nachhaltigkeit. Für mich ist er bereits jetzt einer der grössten Denker und vor allem Macher aller Zeiten. Sein Denken ist nachhaltig, realistisch und dennoch unheimlich ambitioniert. Wenn es sein muss, riskiert er alles und schreckt vor nichts zurück.

„To live is to risk it all. Otherwise, you’re just an inert chunk of randomly assembled molecules drifting wherever the universe blows you.“ (Rick and Morty, S03 E02)

Wer mehr über Elon’s Philosophie, sein Leben und seine Projekte erfahren möchte, dem empfehle ich wärmstens das Buch „Elon Musk: Tesla, SpaceX, and the Quest for a Fantastic Future“ von Ashlee Vance. Darin wird Elon nicht nur als Genie, aber auch als ein gehänselter Junge und als ein extrem fordernder Chef gezeigt.

Text von: Stefanie Henauer / Bildquelle: Flickr / Get Everwise