Dass man das Steak und die Bratwurst für eine gesunde Lebensweise besser zur Seite legen sollte, ist inzwischen common sense. Beim Fisch jedoch ist es genau das Gegenteil: Er wird hochgepriesen und als für das Gehirn unabdingbar dargestellt, enthält er doch Omega-3-Fettsäuren, den heiligen Gral für unser Denkorgan. Manche behaupten sogar, der Fischkonsum sei der Grund, weshalb unsere Vorfahren überhaupt erst ein grösseres Gehirn entwickeln konnten. (Dies wird jedoch von Fleisch genauso behauptet wie von Getreide und gekochtem Essen.)
Demgegenüber stehen die im Fisch enthaltenen gesättigten Fettsäuren und das Cholesterol, dessen Schadstoffbelastung durch verschmutzte Gewässer und die ungeheuerliche Realität, dass wir in 30 Jahren leere Ozeane sehen könnten, wenn die Überfischung vorangeht wie bisher.
Da muss man sich schon fragen, was ist da dran am Fisch?

Omega-3-Fettsäuren

Sie sind in aller Munde, doch was genau sind sie eigentlich und wieso sind sie so wichtig?
Kurz: Omega-3-Fettsäuren sind mehrfach ungesättigte Fettsäuren, die unter anderem zur Bildung von Hormonen und zum Zellaufbau benötigt werden. Zudem wirken sie entzündungshemmend und sollen den Blutdruck senken. Da unser Körper sie nicht von Grund auf selbst herstellen kann, müssen wir sie über die Nahrung aufnehmen. Und hier kommt eines der grössten Argumente der Fischverfechter ins Spiel: Die Omega-3-Fettsäure gibt es in verschiedenen Konfigurationen, nämlich ALA, EPA und DHA.
ALA, die in Pflanzen vorhandene Form, wird im Körper zu EPA und DHA konvertiert, wobei die Ausbeute aber eher gering ist.
EPA und DHA kommen im Fisch vor, nachdem diese ALA-haltige Algen essen.
Es wird daher oft behauptet, man könne seinen Tagesbedarf an Omega-3-Fettsäuren nicht mit pflanzliche Quellen decken. Wieviel der ALA umgewandelt wird, schwankt sehr und hängt von Faktoren wie Alter und vielleicht auch Lebensweise ab. Wenn nur schon 8 % der ALA im Körper umgewandelt werden, kann man mit 13 g Leinsamen die empfohlene Dosis problemlos decken, ganz ohne Lachs und Forelle. 

Die Konsequenzen für Mensch und Erde

2000 Milliarden oder 160 Millionen Tonnen. So viele Fische töten wir jährlich.
2000 Milliarden – das sind 5 Milliarden. Jeden. Tag.
Bei dieser unvorstellbaren Zahl ist es kaum verwunderlich, dass sich die Ozeane unserer Erde davon nicht erholen können.
Nicht alle diese Fische landen auf dem Teller. Ein Teil davon ist Beifang; Fische, die zur falschen Zeit am falschen Ort waren und tot wieder im Meer landen.
Ein weiterer Teil sind kleinere Fische, die als Futter für Zuchtfische enden, mehr dazu später.

2000 Milliarden – selbst wenn Fisch das perfekte Lebensmittel wäre, könnten wir diese Zahl nicht verantworten. Doch der Fischkonsum hat gravierende Nachteile für die Gesundheit wie auch für die Umwelt:

  • Wie alle tierischen Produkte enthält Fisch Cholesterol. Dieses Fett ist zwar für die Zellmembran wichtig, wird aber in unserer Leber zur Genüge selbst hergestellt, so dass wir im Normalfall kein zusätzliches Cholesterol einnehmen müssen. Im Gegenteil: Erhöhte Cholesterol-Werte gehen mit Herz- und Gefässkrankheiten einher.
  • Was im Wasser landet, findet sich im Fisch wieder, egal ob diese aus dem Pazifik oder dem heimischen Fluss stammen. Pestizide, Fäkalien, Mikroplastik, Hormone und sogar Schwermetalle wie Quecksilber finden so ihren Weg auf den Teller. Und falls die unglücklichen Meereslebewesen aus der Nähe Fukushimas kommen, essen wir buchstäblich Krebs.

Sind also Zuchtfische die Lösung?

Nein. Wie erwähnt werden diese nämlich mit Fischen aus dem Ozean gefüttert, und somit denselben Schadstoffen ausgesetzt. Ausserdem bringt die Massentierhaltung mit sich, dass sich Krankheiten rasant ausbreiten können. Es wird auf Antibiotika und andere Medikamente zurückgegriffen, die schliesslich mit dem Fisch auf dem Teller landen und zur Multiresistenz vieler Keime beitragen, mit der man zurzeit in der Medizin kämpft.

Was kann ich tun?

  • Den Fisch vom Menu streichen.
  • Die Omega-3 Versorgung über einige Teelöffel Chiasamen, geschrotete Leinsamen oder Algen decken. Wer es lokaler mag: Walnüsse sind eine gute Quelle.
  • Darüber sprechen, denn je mehr Leute sich den Auswirkungen bewusst sind, desto eher können wir die Meere retten!

Die Fische werden uns danken.

Mehr zum Thema:
https://www.youtube.com/watch?v=ooAIIeo4AJQ
http://fishcount.org.uk/fish-count-estimates
http://vegetarismus.ch/Werbematerial/pdf/Faltblatt_Fisch.pdf
https://www.ugb.de/ernaehrungsplan-praevention/omega-3-fettsaeuren-ins-essen/
https://www.sea-shepherd.ch/de/

Text von: Helen Schuster / Bildquelle: Flickr / Oliver Dodd