Das abgepackte, konsumfertige Produkt aus dem Supermarkt kennen wir alle gut. Einige kennen vielleicht auch manche Früchte und Beeren aus dem Garten. Doch wie funktioniert der kommerzielle Anbau? Was geschieht hinter den Kulissen? Eine Bauerntochter gewährt Einblicke.

Sorten

Wir produzieren noch 3 verschiedene Traubensorten, wobei die meiste Fläche unsere Hauptsorte Muscat bleu einnimmt. Die ursprüngliche Fläche von einer Hektare mussten wir etwa um die Hälfte roden, da wir diese Menge an Tafeltrauben nicht mehr verkaufen konnten. Die freigewordene Fläche haben wir dann mit Himbeeren und Kirschen bepflanzt (Link).

Arbeiten

Tafeltrauben sind eine aufwändige Kultur. Die Reben müssen stark „gezähmt“ werden, da sie stark wachsen. Das heisst, man muss mehrmals im Wachstum die Ranken einschlaufen, sodass sie schön in einer V-Form drapiert sind. Dies dient dazu, möglichst viel Licht einfallen zu lassen. (Dies ist unser System. Andere Betriebe verwenden auch andere Systeme.) Ausserdem müssen die Ranken dann oben noch gekappt bzw. gestutzt werden. Die Trauben selbst sollten auch frei hängen und viel Licht erhalten, deshalb entfernen wir z.B. die untersten Blätter.
Zu den genannten Arbeiten kommen noch das Spritzen der Pflanzenschutzmittel, das „Jäten“ und Mähen, das Schliessen und Öffnen der Netze und der Dächer, etc. (siehe Blogeintrag zu Himbeeren: Link)

Ernte

Wir ernten mit Traktor und Wagen. Wir tragen Handschuhe und behandeln die Trauben sehr sorgfältig, so werden sie auch in etwas gepolsterte Kisten gelegt. Faule Beeren und Ähnliches wird von Hand oder mit einer Schere entfernt.

Absatz

Der grösste Abnehmer war früher die Migros, diese möchte jedoch nun keine Schweizer Trauben mehr anbieten aufgrund zu kleiner Nachfrage von Kunden. Dies führte bei vielen Thurgauer Tafeltraubenproduzenten dazu, dass sie vor ein grosses Problem gestellt wurden. Einige gaben die Produktion ganz auf, reduzierten ihre Fläche (wie wir auch) oder je nach Möglichkeit stiegen sie auch auf Weinproduktion um. Diese unterscheidet sich aber sehr von Tafeltraubenproduktion und ist auch nicht für alle Betriebe möglich, da das Anbaugebiet für Weintrauben an einem Südhang liegen sollte, um eine optimale Sonneneinstrahlung zu erreichen. Ausserdem werden ganz andere Rebsorten verwendet, was bedeuten würde, dass alles neu bepflanzt werden müsste.
Schlussendlich hat sich jedoch glücklicherweise eine Zusammenarbeit mit Aldi ergeben, welche doch noch ermöglicht, Schweizer Tafeltrauben in grösseren Mengen zu produzieren. Durch unsere Umstellung auf biologischen Anbau vermarkten wir jetzt unsere Tafeltrauben über den Biokanal und sind nicht mehr direkt von diesen Entwicklungen betroffen.

Aus dem Ausschuss produzieren wir z.T. unser alkoholfreies Trauben-Shorlée oder auch Schnaps (neben dem „Truubewässerli“ haben wir auch diverse andere Geschmacksrichtungen). Diese Produkte verkaufen wir persönlich an Bekannte und Freunde oder an Anlässen wie dem Koffermarkt.


Unser Stand am Koffermarkt in Kesswil

Probleme

Zur Kirschessigfliege (Drosophila suzuki) siehe Blogpost zu Himbeeren (Link)

 

Zur Absatzsituation ist im „Schweizer Bauer“ ein kurzer informativer Text erschienen:
https://www.schweizerbauer.ch/pflanzen/spezialkulturen/ch-trauben-aldi-statt-migros-31254.html

 

Text von: Stefanie Henauer / Bildquelle: Stefanie Henauer