Das abgepackte, konsumfertige Produkt aus dem Supermarkt kennen wir alle gut. Einige kennen vielleicht auch manche Früchte und Beeren aus dem Garten. Doch wie funktioniert der kommerzielle Anbau? Was geschieht hinter den Kulissen? Eine Bauerntochter gewährt Einblicke.

Sorten

Wir produzieren neuerdings 3 verschiedene Himbeer-Sorten (wie auch 3 Sorten Kirschen). Als landwirtschaftlicher Betrieb muss man immer wieder neue Dinge ausprobieren und kreativ sein. Da wir die Fläche Traubenreben eingeschränkt haben, jedoch die aufwändige Infrastruktur nutzen wollten, haben wir uns für Himbeeren und Kirschen entschieden (Infos zum Grund für die Reduktion der Traubenproduktion folgen im zugehörigen Blogpost). Die Fläche dieser zwei Kulturen ist mit ca. 0.5 ha relativ klein.

Arbeiten

Wie immer sind die üblichen Arbeiten Gras mähen, Netze schliessen und öffnen, Spritzen, usw. Bei den Himbeeren kommt noch das Anbringen eines feinmaschigen Netzes gegen die Kirschessigfliegen und Vögel hinzu sowie Plastikdächer, um die Wassermenge zu kontrollieren. Bewässert wird mit Regenwasser, welches wir in einem grossen Tank speichern. Die Wassermenge muss kontrolliert werden, da Beeren bei zu grosser Wasseraufnahme platzen können. Ausserdem fördert Feuchtigkeit Krankheiten.

Spritzen/Pflanzenschutzmittel

siehe Blogpost über Äpfel und Birnen

Ich finde es noch wichtig zu erwähnen, dass bei biologischer Produktion eigentlich öfter gespritzt wird. Dies liegt daran, dass die Mittel weniger effektiv sind und verschiedene Mittel seltener vermischt werden können. So müssen alle einzeln ausgefahren werden. Dies führt natürlich dazu, dass mehr Abgase ausgestossen werden und auch mehr Wasser verbraucht wird. Diese Situation ist meiner Meinung nach sehr ironisch.

Ernte

Geerntet wird ganz simpel von Hand, direkt in die Verkaufsschalen. Diese werden dann später noch abgewogen, damit sie auch wirklich die exakte Menge Himbeeren enthalten.

Absatz

Im Nachbardorf können wir die Himbeeren abliefern, welche dann zur Zentrale transportiert, dort fertig abgepackt und vertrieben werden.

Kleine Mengen verwerten wir auch selber z.B. zu Himbeerkonfitüre oder verwenden sie für den Eigengebrauch. Abfälle gibt es dadurch eher wenig.

Probleme

Ein grosses Problem sind die immigrierten Kirschessigfliegen (Drosophila suzuki), welche ihre Eier in die Früchte legen und deren Larven dann die Früchte zerstören. Die Früchte werden weich, Saft tritt aus und sie bekommen einen sauren Geruch/Geschmack. Die Kirschessigfliege vermehrt sich schnell und befällt sowohl Beeren als auch Trauben, Kirschen, Zwetschgen etc. Zum Schutz stellen wir um die Anlage herum ein feinmaschiges Netz auf und stellen an kritischen Stellen Fallen auf. Ausserdem kann auch z.T. dagegen gespritzt werden.

Weitere Schädlinge sind Ameisen und Ohrenschlüpfer und Vögel, da sie die Beeren auch sehr mögen und kleine Löcher in die Beeren fressen. Ohrenschlüpfer setzen wir aber auch als Nützlinge gegen Birnenblattsauger ein. Dazu bauen wir Unterschlupfe aus Tontöpfen und Holzwolle und siedeln so die Ohrenschlüpfer von den Himbeeren zu den Birnen um. Auch Mäuse sind ein Problem, sowohl für Himbeeren als auch für junge Obstbäume, wenn sie sich ausbreiten und die Wurzeln fressen.

 

Text von: Stefanie Henauer / Bildquelle: Stefanie Henauer