Jetzt haben sie wieder Saison: Fast jedes Wochenende sehe ich irgendwo ein Feuerwerk, oder genauer gesagt, ich höre sie meist nur. Am Vierwaldstättersee, wo ich wohne, gibt es an den warmen Juli- und Augustabenden verschiedenste privat organisierte Feuerwerke. Hinzu kommen noch die öffentlichen, wie zum Nationalfeiertag. Gerade am 1. August ist es mittlerweile zur Selbstverständlichkeit geworden, Raketen, Böller & Co. in die Luft zu jagen. Aber immer mehr Menschen hinterfragen dieses reine Luxus-Konsumgut. Kritisiert werden die Lärmemission, die Kosten und die Umweltverschmutzung verursacht durch die Feuerwerke. Hier findest du die Antworten zu den wichtigsten Fragen rund ums Thema «Nachhaltigkeit bei Feuerwerk».

Sind Feuerwerke schädlich?

Abgebrannte Feuerwerkskörper setzen viel Feinstaub frei. Am Nationalfeiertag wird der Grenzwert von 50 Mikrogramm pro Kubikmeter oft überschritten. Ausserdem enthält der Feinstaub giftige Schwermetalle, die sich über die Luft und den Regen überall hin verteilen.

Wie klimaschädlich sind Feuerwerke?

Laut Bundesamt für Umwelt werden in der Schweiz pro Jahr ca. 2’000 Tonnen Feuerwerk in die Luft geschossen, die ca. 460 Tonnen CO2 in die Atmosphäre emittieren. Zum Vergleich: Das entspricht 200 Flugreisen von Zürich nach New York und retour. Das ist nur ein Bruchteil der CO2-Emissionen der Schweiz; jedoch sind Feuerwerkskörper ein nicht zu vernachlässigender Faktor im Mix der CO2-Emittenten.

Wie schädlich sind die Lärmemissionen?

Zu unterscheiden ist hier die Gefährdung der Hörorgane von der Lästigkeit des Lärms. Durch die lauten Knalle kann es zu einer Innenohrschädigung kommen oder, im schlimmsten Fall, einem Verlust von Hörzellen, welcher irreversible Schäden verursachen kann. Allerdings muss dazu die Belastung sehr hoch sein und lange andauern. Viel eher kann Feuerwerk psychische oder soziale Störungen beim Menschen und Tier zur Folge haben. Bei letzteren kann es zu Schreckreaktionen und Unfällen führen, entweder bei Einzeltieren oder auch ganzen Populationen.

Wieviel kostet ein Feuerwerk?

Laut „Blick“ kostet das öffentliche Feuerwerk am 1. August in der Stadt Bern etwa 100’000 Franken, das in der Stadt Basel ca. 60’000, und dasjenige von Solothurn etwa 12’000 Franken.[1] Zu einem Grossteil sind das öffentliche Ausgaben, die privaten Kosten für Feuerwerkskörper sind in diesem Betrag nicht miteinberechnet. Ausserdem sollten auch die indirekten Kosten, d.h. die Schäden, die durch Feuerwerk entstehen, miteinberechnet werden.

Welche Alternativen gibt es?

Immer mehr ökologische Feuerwerkskörper werden angeboten. Diese setzen etwas weniger Feinstaub und Schwermetalle frei. Die Lärmemissionen und auch die Abfälle, die nach dem Feuerwerk herumliegen, bleiben aber trotzdem. Zusätzlich sind Öko-Feuerwerke um einiges teurer.

Es gibt aber auch andere, viel nachhaltigere Möglichkeiten. Vielerorts werden am 1. August sogenannte «Höhenfeuer» gezündet. Dabei sollte aber beachtet werden, dass nur unbehandeltes Holz verwendet wird (und damit keine Schadstoffe in die Luft gelangen). Eine weitere, schön anzusehende und nachhaltige Variante kenne ich von zuhause: am Pilatus wird mit einfachen Fackeln ein grosses, weithin sichtbares Schweizerkreuz ausgesteckt.

Die nachhaltigste Variante wäre natürlich ganz auf Feuerwerk und ähnliches zu verzichten und den 1. August- oder Silvesterabend «nur» mit Freunden und Familie zu feiern.

Welchen Widerstand gegen Feuerwerke gibt es?

Lokalen und regionalen Widerstand gibt es vielerorts. Im Kanton Aargau kam 2015 eine Initiative zur Einschränkung von Feuerwerken vors Volk. Sie wurde allerdings klar abgelehnt.

Eine fast schon ironische Geschichte: In der Stadt Bern kritisierten zwei SVP-Politiker (!), dass die Stadt zu wenig für das 1. August Feuerwerk ausgebe und somit stark auf private Sponsoren angewiesen ist.

Vielleicht wäre es tatsächlich gut, wenn das Feuerwerk stärker öffentlich finanziert wird: Es gäbe dadurch bessere Möglichkeiten zur Beschränkung und zur Kontrolle der Feuerwerke.

Weitreicherenden oder wirkungsvolleren Widerstand gibt es derzeit nicht. Jedoch liest man in verschiedenen Zeitungen und Online-Foren alljährlich zum 1. August kritische Leserbriefe und Kommentare. Dies zeigt, dass das Feuerwerk in der Schweiz nicht nur als farbige Knallerei am Nachthimmel angesehen wird.

 

Weitere Informationen und Quellen zum Text:

[1] https://www.blick.ch/news/schweiz/friede-freude-feuerwerk-das-verpulvern-die-staedte-fuer-den-1-august-id2391758.html

Text von: Jan Zumoberhaus / Bildquelle: Flickr/ Andreas Mahler