Veganismus ist eine extreme Ernährungsform, die bloss eine Selbsteinschränkung darstellt und dabei viel zu weit geht. So lauten jedenfalls die Vorurteile. Im Gespräch mit den drei Veganerinnen Laura, Kim und Irène gehen wir auf ihre Beweggründe und Ansichten ein und fragen nach, was Veganismus für sie bedeutet. 

Kim und Irène leben bereits über zwei Jahre vegan, Laura schon seit über 5 Jahren. Das heisst, sie verzichten auf den Konsum tierischer Produkte, wie Fleisch, Kuhmilch, Eier und Honig. Doch niemand von ihnen verzichtet auf eine heisse Schokolade, schliesslich schmeckt diese auch mit dunkler Caotina und Sojamilch gut. Was Veganismus sonst noch mit sich bringt, erfahrt ihr in diesem Interview:

Was hat euch dazu bewegt, vegan zu werden?

Kim: Als das Thema Veganismus vermehrt in den Medien auftauchte, habe ich viel darüber gelesen. Auch in der Schule haben wir darüber geredet. Da ich die heutige Tierhaltung als sehr problematisch befunden habe, begann ich ein Experiment, um herauszufinden, wie mein Körper auf eine vegane Umstellung reagieren würde. Inzwischen sind zwei Jahre vergangen und aus dem Experiment wurde Überzeugung.

Laura: Ich fand das Töten von Tieren bereits vor meiner veganen Zeit problematisch. Zuvor war ich schon lange Vegetarierin. Ich habe auch meistens darauf geachtet, dass ich Bio-Produkte kaufe mit der Absicht, dass die Tiere noch ein schöneres Leben haben. Dann sah ich Bilder von Legebatterien, welche mich schon sehr abgeschreckt haben. Ich hatte immer die Vorstellung, dass die Hühner friedlich auf dem Bauernhof rumlaufen und alle Tiere glücklich sind. Zu der Zeit habe ich einen Freundeskreis gefunden, bei denen viele vegan waren. Durch diese habe ich die Informationen bekommen, die mich zum Umstieg bewogen haben. Ich habe realisiert, dass auch bei Produkten, bei denen man es nicht direkt vermutet, durch das Töten der Tiere sehr viel Leid verursacht wird. Dazu kommen die ganzen Umweltaspekte, die mit dem Konsum tierischer Produkte einhergehen, wenn man zum Beispiel Milch konsumiert. Und für die Gesundheit ist es auch nicht unbedingt gut, Tierprodukte zu konsumieren. Das alles zusammen war für mich ein ganz kräftiges Argument, um zu sagen, dass das so nicht geht und ich das nicht weiter konsumieren kann. Daher habe ich auf eine vegane Lebensweise umgestellt.

Irène: Ich bin auch lange zuvor Vegetarierin gewesen. Irgendwann habe ich mich gefragt, wieso es Veganer gibt und mich darüber informiert. Schliesslich denkt man nicht bei jeder Kuh auf der Weide, dass es ihr schlecht geht. Ausschlaggebend waren Fakten, die ich in Hinblick auf Umweltzerstörung gelesen habe, wie zum Beispiel die sehr hohe CO2-Produktion und der extrem hohe Wasserverbrauch, die mit dem Konsum von tierischen Produkten einhergehen. Aus diesen Gründen denke ich, dass es sich lohnt, auf eine vegane Lebensweise umzusteigen. Vegan geblieben bin ich jedoch vor allem wegen tierethischen Aspekten, welche mir erst später bewusst geworden sind.

Was haltet ihr von der Verwendung von Wolle und Leder? Das sind ja auch tierische Produkte.

Laura: Ich kaufe es nicht. Ich habe sicher noch Lederschuhe und Produkte mit Wolle zu Hause, die ich schon lange besitze. Wenn ich jedoch heute in den Laden gehe, dann schaue ich auch, was drinnen ist. Hier besteht die selbe Problematik. Auch hier werden Tiere gehalten, gezüchtet und gequält, um an die Produkte zu kommen. Für Wolle werden die Tiere so gezüchtet, dass sie furchtbare Hautfalten erhalten, damit ein Schaf möglichst viel Wolle besitzt. Das kann zu Infektionen und weiteren negativen Konsequenzen führen und dies ist es mir nicht wert. Einzig bei Second-Hand-Kleidern achte ich mich nicht so sehr auf die Materialien, weil ich mir denke, dass es sowieso bereits zu spät ist und ich dadurch keine Nachfrage nach neuen Produkten kreiere. Wenn bereits für ein Produkt getötet wurde, wie zum Beispiel bei Lederschuhen, dann möchte ich wenigstens, dass es noch bis zum Nutzungsende getragen wird. Daher habe ich mir meine alten Stiefel auch neu besohlen lassen, damit ich sie möglichst lange tragen kann und in diesem Sinne auch würdigen kann.

Kim: Ich besitze auch noch Sachen von meiner vor-veganen Zeit, welche Leder oder andere tierische Produkte beinhalten. Wenn ich jedoch etwas Neues kaufe, achte ich mich schon darauf, dass es nicht aus diesen tierischen Materialien besteht, auch aus den Gründen, die Laura eben nannte.

Irène: Bei mir sieht das auch so aus. Veganismus beschränkt sich eben nicht nur auf die Ernährung.

Wenn Veganismus keine blosse Ernährungsform ist, was ist es dann?

Kim: Vegan zu sein, ist eine Lebensweise. Tierische Produkte betreffen viel mehr Lebensbereiche als nur die Essgewohnheiten. Daher achte ich auch in anderen Bereichen wie bei der Kleidung auf vegane Produkte. Auch ist der Grossteil meiner Kosmetik vegan. Vegane Kosmetik zu finden, ist sogar einfacher als vegane Kleidung, da es bereits ein grosses Angebot an Marken und Produkten gibt, die auf tierische Produkte und Tierversuche verzichten.

Laura: Für mich ist Veganismus ein gesamter bewusster Lebensstil, der mit dem Verzicht auf tierische Produkte einhergeht. Ich weiss jedoch nicht, wo hier die Grenze zwischen Veganismus und einem sozial-ökologisch-bewussten Leben ist. Man kann auch durchaus auf Umwelt und Mitmenschen Rücksicht nehmen und globale Problematiken erkennen, ohne vegan zu leben. Für mich gehört dies alles zusammen, ich möchte, dass es allen Tieren und Menschen gut geht und alle fair behandelt werden.

Irène: Vegan zu werden ist das einfachste, das man machen kann, wenn man der Umwelt möglichst wenig schaden und kein Tierleid hervorrufen möchte.

Weiterführende Links: 

vegan.ch und swissveg.ch – Hier findet man alles: Fakten zur Tierhaltung, warum sich vegan sein lohnt sowie Tipps, wie man tierische Produkte ersetzen kann und wo man diese in der Schweiz findet.

Facebookgruppe „Vegane Produkte Schweiz“ – Vor allem am Anfang eine grosse Hilfe: Hier gibt es unter anderem Listen, welche Produkte in Migros und Coop vegan sind, wo es Spezialitäten wie vegane Fasnachtschüechli zu finden gibt und vieles mehr.

vegan-taste-week.de – Ebenfalls Infos zum Veganismus und ein Newsletter mit Tipps, die den Anfang erleichtern.

Vegan: Ganz oder gar nicht? – Guter Artikel für alle, die denken „Hundert Prozent vegan schaff ich nicht“.

albert-schweitzer-stiftung.de – Informationen und Kampagnen, um Tierleid zu verhindern.

avesu.ch – Onlineshop, der vegane Schuhe und Accessoires in die Schweiz liefert.

Buchtipps

„Ab heute vegan“ von Patrick Bolk: Erhält nicht unbedingt Informationen, die nicht auch auf den oben genannte Webseiten stehen würden, ist aber schön übersichtlich und erleichtern dadurch erheblich den Einstieg in ein veganes Leben.

„Tiere Essen von Jonathan Safran Foer“: Gibt es als Hörbuch auf Youtube

Interview von Evelyn Frischknecht / Bildquelle: Evelyn Frischknecht