Kennt Ihr die Plakate mit der orangen Frucht, welche danach fragen, ob sie eine Orange abbilden, währenddessen eine Kaki zu sehen ist? Oder das Plakat, das danach fragt, ob die Türe offen ist, obwohl es eine geschlossene Glastüre ist? Tja, manchmal seh ich solche Unterschiede nicht sofort. Zum Glück nicht wegen einer Sehbehinderung, für die die Plakate vom Schweizerischen Blinden- und Sehbehindertenverband sensibilisieren möchte, sondern einfach aus dem Grund, dass ich ohne Brille stark kurzsichtig bin. Deswegen nennt mich meine beste Freundin manchmal Blindfisch. Und in manchen Situationen hat man selbst als fleissige Brillenträgerin keine Brille an. Dann bin ich echt aufgeschmissen. Ich möchte euch jetzt von so einer Situation erzählen. Vor wenigen Jahren, kurz vor dem Arabischen Frühling, war ich am Roten Meer in den Ferien. Ich liebe das Meer und wollte unbedingt mal Schnorcheln gehen. So kam es, dass ich bei einer geführten Schnorcheltour mit dem Segelboot am Rande eines Naturschutzgebietes teilnahm. Damals hatte ich noch keine Kontaktlinsen. Jedenfalls kann man schwer mit Brille tauchen, also probierte ich es ohne. Obwohl ich nur verschwommen sah, war das Riff wunderschön, wirklich. Ich sah eine Meeresschildkröte und Moränen, Kugelfische und vieles mehr. Ausserdem sah ich Quallen, die nahe der Wasseroberfläche schwammen und im Rhythmus der Wellen zuckten. Neben mir schwamm mein Vater, den ich geschwind anstupste, um ihn auf die entdeckte Qualle aufmerksam zu machen. Glücklich und erfüllt von schönen Natureindrücken kehrten wir zum Segelschiff zurück. Aufgeregt erzählte ich dann meinem Vater, was ich alles gesehen hatte. Ich erzählte ihm gerade von der Qualle, als er verblüfft die Augenbrauen hebt. „Wo hast du denn eine Qualle gesehen?“, fragte er. „Na ganz am Ende, ich hab doch mit dem Finger hingezeigt!“, antwortete ich. „Was, nein, das war bloss Müll, der im Wasser trieb!“.

 

Text von Evelyn Frischknecht / Bildquelle: Flickr / art_inthecity und SBV