Mir wurde mal vorgeworfen, dass ich mit meiner Einstellung zur Nachhaltigkeit die Welt nicht sehen kann. Als ob Reisen und Nachhaltigkeit ein Widerspruch wäre. Das Problem an dieser Einstellung ist, dass die Menschen dann die Vorstellung haben, dass sie sich zwischen Reisen beziehungsweise Ferien und Nachhaltigkeit entscheiden müssen. Und dann zieht die Nachhaltigkeit den Kürzeren. Deswegen bringt es in meinen Augen nichts, wenn man im Namen der Nachhaltigkeit versucht, die Menschen vom Reisen abzubringen. Es ist viel zu sehr in unserer Gesellschaft und in unserem Lebensstil verankert und kann auch sehr erfüllend sein. Dagegen glaube ich, dass Reisen sehr wohl auch nachhaltig gestaltet werden kann. Oder zumindest einiges nachhaltiger als es heute bei uns üblich ist und damit ist auch schon etwas gewonnen. Wie das gehen soll, zeigt das sehr empfehlenswerte, untenstehende, fünfminütige Video. Doch zuerst erzähl ich euch noch von meinen Ferien in Amsterdam.

Natürlich ist es nicht so einfach, Ferien nachhaltig zu gestalten. Die Verwandten in Südamerika kann man leider nicht mit dem Zug besuchen und eigentlich würde ich gerne auch mal Island sehen. Je nach Reisedestination und wie viel Budget und Zeit man zur Verfügung hat, kann eine Reise nicht sehr nachhaltig gestaltet werden. Das hängt auch von unseren Ansprüchen und Vorstellungen von Ferien ab. Dennoch kann ich euch ein konkretes Beispiel geben, wie die Empfehlungen im Video relativ kostengünstig und bequem umgesetzt werden können.

Diesen Frühling ging ich mit meinem Freund für sechs Tage nach Amsterdam. Wir fuhren mit dem Zug. Wenn ihr keine Lust habt Zugreservierungen zu machen (und zu zahlen), empfehle ich euch die Route über Deutschland und nicht über Frankreich zu nehmen. Die SBB und die Deutsche Bahn bieten Sparbilletts an, welche sich extrem lohnen können. Ein Preisvergleich zeigte, dass es noch einen weiteren Trick gibt, wie man weniger für den Zug zahlen kann. Da man, um nach Amsterdam zu gelangen, mehr als ein Land durchqueren muss, lohnte sich das Interrail-Ticket. Obwohl wir nur nach Amsterdam wollten, war dies eine ziemlich clevere Idee, da es günstiger war, zudem ist man flexibler. Wir fuhren mit dem ICE ab Basel bis Köln und machten dort eine Mittagspause. Dies war der einzige Bahnhof an dem wir umstiegen. Um halb drei Uhr Nachmittags waren wir dann in Amsterdam Centraal. Die Zugfahrt ging sieben Stunden, aber diese gingen wirklich im Nu um.

Auch bei der Unterkunft gibt es Möglichkeiten, viel nachhaltiger unterwegs zu sein. Wer in der Stadt übernachten und dennoch günstig fahren will, ist mit den zahlreichen Hostels gut bedient. Wir zogen lieber eine andere Art Hotel vor. In Amsterdam gibt es zwei „Conscious Hotels“, die versuchen, so nachhaltig wie möglich zu sein. Es lohnt sich, so eins mal auszuprobieren. Beide liegen ziemlich zentral und bieten ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis. Ähnliche Hotels gibt es auch in anderen Städten und Ländern. Natürlich kann man auch hier skeptisch sein und hinterfragen, wie nachhaltig diese Hotels nun wirklich sind. Aber ausprobieren und es herausfinden, kann jedenfalls nichts schaden. Schlimmstenfalls unterstützt man eine Entwicklung, die in die richtige Richtung geht.

Was die Aktivitäten im Ferienort selbst angeht, gibt es je nach Destination andere Empfehlungen. Das kommt auch auf den Kontext drauf an. Grundsätzlich ist es empfehlenswert es den Einheimischen nachzutun. Zum Beispiel sollte man in Ägypten möglichst wenig Wasser verbrauchen. Und in Amsterdam ist man wie die Einheimischen vor allem zu Fuss und mit dem Fahrrad unterwegs.

Ich behaupte nicht, dass meine Ferien in Amsterdam nachhaltig waren. Aber ich bin überzeugt, dass die selben Ferien sehr viel umweltschädlicher hätten sein können.

Text von Evelyn Frischknecht / Bildquelle: Evelyn Frischknecht